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Vogelschauplan Wien, Josef Daniel von Huber

Herbsttage. Draußen regnet es. Nass. Da verbring ich doch lieber einen gemütlichen Tag zu Hause. Den Haushalt erledigen, um dann im Internet zu surfen und Serien zu schauen.

Irgendwie, ich weiß nicht wieso und warum, bin ich dann auf die Seite der Österreichischen Nationalbibliothek geraten. Da entdeck ich, nach der Eingabe einiger Suchbegriffe, eine wunderschöne Karte, die ich euch nicht vorenthalten kann.

Es handelt sich um einen kolorierten Vogelschauplan von Wien, genaugenommen von der Inneren Stadt, aus dem späten 18. Jahrhundert. Bei einem Vogelschauplan werden Gebäude und andere Kartenelemente perspektivisch dargestellt. Neben der üblichen x- und y-Achse erhält die Karte somit auch eine z-Achse. Die Gebäude wachsen in die Höhe. Ach, ich liebe solche Karten, besonders die Detailverliebtheit.

Der Zeichner, ein gewisser Josef Daniel von Huber (1730/31-1788), ist euch vermutlich unbekannt, weswegen ich ihn euch kurz vorstelle.

Josef Daniel von Huber1

Nach genossener militärischer Ausbildung nahm von Huber am Siebenjährigen Krieg teil. Danach wurde er nach Böhmen und Mähren beordert, um im Zuge der josephinischen Landesaufnahme bei der topografischen Kartografierung der beiden habsburgischen Länder Böhmen und Mähren mitzuhelfen.

Während seines Aufenthaltes in Prag fertigte er in Eigenregie einen detaillierten Vogelschauplan der Stadt an. Den Plan, der Teil der UNESCO-Dokumentensammlung Memory of Austria ist, legte er 1769 Maria Theresia vor, um die Erlaubnis für die Vermarktung zu erhalten. Die Königin lehnte jedoch wegen militärischer Geheimhaltung ab, kaufte die kunstvoll gefertigte Karte aus der Privatkassa an und beauftragte von Huber zum Trost mit der Erstellung einer ebensolchen für Wien und ihrer Vorstädte.

Die Federzeichnung für den Vogelschauplan von Wien konnte von Huber 1773 abschließen, doch der endgültige Druck der Karte zog sich bis 1778. Den erhofften finanziellen Gewinn konnte er damit nicht einfahren. Den ausbleibenden Erfolg erklärt von Huber 1785 bei der hier vorgestellten kolorierten Vogelschau der Inneren Stadt folgendermaßen:

»Der Verfasser dieses Privilegirten Werks hat im Jahr 1778 einen Abriß dieser Haupt-Stadt herausgegeben, welcher aber ungeachtet seines Fleisses wegen schlechter ausarbeitung der allgemeinen erwartung nicht entsprochen hat.« 2

1788, drei Jahre nach Veröffentlichung, verstarb von Huber in Wien Leopoldstadt.

Vogelschau der Innenstadt Wien. Josef Daniel von Huber. Wien:1785.

Vogelschau der Innenstadt Wien. Josef Daniel von Huber. Wien:1785. 165x178cm.

Originaltitel: Die Kayl.Königl. Haupt- und Residenz-Stadt Wien. Wie sie im Jahr 1785 unter der Regierung Josephs des zweyten stehet. Quelle: ÖNB http://data.onb.ac.at/rep/100484FB

Karte

So jetzt muss ich aber die Karte vorstellen. Die Detailverliebtheit ist auf jeden Fall beeindruckend. Die Karte besteht aus insgesamt neun Blättern, die ich mehr schlecht als recht zusammengefügt habe. Links unten befindet sich der Titel mit einem kurzen Erstellungstext (Auszüge davon sind im obigen Zitat wiedergegeben) und rechts gegenüber eine Überblickskarte.

Wenn man Wien auch nur ein bisschen kennt, fällt einem natürlich sofort auf, dass da was nicht stimmen kann. Der Donaukanal befindet sich ja nicht im Süden. Das gewohnte Bild wird gestört, denn die Karte ist nicht genordet. Schwer erkennbar befindet sich der Nordpfeil neben der Überblickskarte. Auch einen Maßstab besitzt die Karte in Klaftern und Schritten. Ja, das war noch vor dem Meter.

Der Stephansdom ragt aus der Kartenmitte heraus. Bei genaueren Hinsehen werden auch die Namen der Straßen und Plätze ersichtlich. Die größte Veränderung zum modernen Wien ist der fehlende Festungsring, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts geschleift wurde, um für die Ringstraße mit ihren Prunkbauten Platz zu machen. Zwei weitere dominierenden Gebäudekomplexe sind die Hofburg und das Schottenkloster.

Die Innenstadt ist bereits sehr dicht verbaut. Die Fassaden der Gebäude sind erkennbar. Ob die Fensteranzahl wohl heute noch stimmt? Manches Kloster besitzt im Innenhof einen aufwendig gepflegten Garten. Fischer- oder Transportboote liegen am Ufer des Donaukanals. Die Gebäude werfen einen Schatten.

Auch über die Verkehrsanbindungen gibt von Huber Auskunft. Beim Platz vor dem Kärntnertor schreibt er:

»Alhier wie bey allen übrigen Hauptthören Stehen eine Große Zahl Lehen Kutschen zu allen stunden vor Jederman bereith.« 3

So viele Kleinigkeiten, die es zu erkunden gibt. Fraglos ein schöner Blick in die Vergangenheit der Stadt.


  1. Für die Biografie siehe Geschichte Wien Wiki. URL: https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Joseph_Daniel_von_Huberund Helga Hühnel und Elisabeth Zeilinger (2016): Josef Daniel von Huber. Vogelschauansicht von Prag, 1769. ÖNB Forschungsblog. URL: https://onb.ac.at/forschung/forschungsblog/artikel/joseph-daniel-von-huber-vogelschauansicht-von-prag-1769/ ↩︎

  2. siehe Karte. ↩︎

  3. siehe Karte. ↩︎